Bericht aus dem Bücherregal
Juni 2011, Gründe gegen das Lesen
April 2011, Büchersüchtig
Oktober 2010, Warum ich schreibe
September 2010, Warum wir Bücher lieben
Juni 2010, Anspruchsvoll oder trivial?
Mai 2010, “Wo sich Herz zum Herzen find’t”
April 2010, Warten, warten warten.
Gründe gegen das Lesen
Da bewegt man sich völlig unbehelligt durch das Internet und ahnt nichts Böses – und dann landet man auf einer Seite, die das Lesen propagiert. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie geschockt ich war, als ich etwas derartig Schreckliches entdeckt habe, aber es kam noch viel schlimmer: Diese Seite war nicht von irgendwelchen alten Menschen gemacht worden, die im Leben eh nichts Besseres zu tun haben, sondern von Jugendlichen :O Und mir stellte sich eine Frage: Warum tut man das? Warum setzt man sich still in eine Ecke und versteckt sein Gesicht hinter einem dicken Wälzer? Ich konnte es echt nicht glauben…
Nun gut, diese Erfahrung stammt nicht von mir, sondern von einem unbekannten Jugendlichen. Aber seiner Frage sollte man trotzdem nachgehen. Warum tut man das? Was bringt es einem schon zu lesen? Es gibt doch unendliche Gründe dagegen! Wollen wir sie einmal aufzählen:
Leute, die lesen, sind Opfer. Sie haben keine Freunde und müssen sich deshalb in Welten flüchten, die nicht real sind.
Lesen hat keinen Nutzen. Denn was bringt es mir, wenn ich den ganzen Tag nur irgendwo rumsitze und meine Augen über die Buchstaben gleiten lasse? Ich pflege meine sozialen Kontakte nicht, erledige meine Arbeiten nicht und lerne auch nichts, was mir im Leben weiterhelfen könnte, denn immerhin sind die in Büchern beschriebenen Situationen total unrealistisch.
Bücher sind langweilig.
Als Hobby „Bücher lesen“ anzugeben, ist ja mal das nerdigste, was man machen kann.
Das Holz, welches für das Drucken dieses Schunds verschwendet wurde, hätte man für viel bessere Dinge nutzen können: Für ein neues Ikea-Regal, um einen Spielplatz zu bauen oder einfach nur als Feuerholz.
Das sind doch alles sehr überzeugende Argumente. Wenn man sich diese Aufzählung so durchliest, fühlt man sich schon ein wenig konvertiert, oder? Ich fühle mich, als würde ich plötzlich das Licht sehen, mein Leben könnte so viel Inhalt haben, wenn ich nicht lesen würde!
Stimmt ihr mir da zu? Sicherlich, denn ihr seid bestimmt auch nur aus Versehen hier gelandet und total geschockt, richtig?
Vielleicht ist es aber auch ganz anders … vielleicht gibt es auch gute Gründe für das Lesen, die mir und dem Jugendlichen vom Anfang nicht eingefallen sind … Ich jedenfalls habe noch eine Menge Zeit, um mich für die eine oder die andere Richtung entscheiden zu können. Lesen oder nicht lesen?
Aber bis ich eine Entscheidung getroffen habe, werde ich mich erst mal mit einem schönen Roman in den Schaukelstuhl setzen und dem Regen bei offenem Fenster zuhören
Möglicherweise hilft mir das ja – ihr könnt es ja auch mal ausprobieren
Saskia Klaus, 20.April 2011
Büchersüchtig
Wir sind alle süchtig!
Nach dicken Walzern, alten und neuen Geschichten und Wörtern. Süchtig nach Büchern!
Eine schreckliche Sucht, die uns zwar nicht schadet, die aber auch nicht heilbar ist.
Die Bücher ziehen uns in ihren Bann und behalten uns da. Wir verschwinden in ihnen und damit in eine andere Welt . Erleben viele Abenteuer: lustige und spannende, aber auch traurige. Sind Zauberer, Superhelden, Feen oder normale Leute wie du und ich. Wir erleben ihre Geschichten, als wären sie unsere. Und man weiß nie was hinter dem Buchdeckel steckt. Was man heute erleben wird.
Und wir bleiben dort. Solange wir können. Bis das Buch uns wieder ausspuckt und uns zurück schickt. Zurück in die Wirklichkeit.
Kennt ihr das, wenn man so gepackt ist von einem Buch, das man es nicht mehr aus der Hand legen kann? Man es am liebsten immer und überall lesen möchte? Gefesselt ist und nicht davon los kommt. Die Geschichte einem so fasziniert, dass man Stunden braucht um wieder in die reale Welt anzukommen. Man könnte den ganzen Tag lesen. Oder die ganze Nacht, bis einem die Augen vor Müdigkeit zufallen. Einfach das Buch weglegen – leichter gesagt als getan. Das ist oft sehr schwierig. So sehr ist man gespannt darauf was als nächstes passiert und geschieht.
Und die Leute, die nicht süchtig sind, schütteln nur den Kopf und verstehen nicht, was am Lesen so besonders ist.
Doch immerhin wissen wir: Wir sind nicht allein mit unserer Sucht. Es gibt viele von uns auf der Welt. All diejenigen, die Bücher und das Lesen lieben. Genau wie wir. Man sieht sie überall. Ob in der Schule, in der Stadt, im Park, in Bahnen und Bussen. Überall Menschen die lesen. Lesen, lesen und lesen.
Lina-Marie Ostertag, 2. April 2011
Warum ich schreibe
„Das ist dasselbe, als wenn du mich fragen würdest: Warum essen Sie jeden Tag Schokolade? Schreiben ist für mich die pure Lust. Ich brauche keine Disziplin zum Schreiben. Bei mir ist es eher so, dass ich mich permanent vom Schreiben abhalten muss. Ich würde gerne immer schreiben. Diese unglaubliche Lust am Geschichtenerzählen wird stärker, je länger ich es mache.“
Cornelia Funke, 2010
Warum schreibe ich?
Warum schreibe ich Geschichten auf, warum macht es mir Freude, einen Stift oder den Computer in die Hand zu nehmen, Gedanken niederzuschreiben, Abenteuer zu ersinnen?
Dann ließ der die Seiten sinken. „’Ich schreibe nur, um herauszufinden, was ich denke’“ fing er an. „’Was ich anschaue, was ich sehe, was es bedeutet. Was ich will und was ich fürchte’ Joan Didion.“
„Aha.“
„Und ich glaube“, er tippte mit den Fingern auf die Schreibtischplatte, „wenn man es gut macht, gibt man anderen die Gelegenheit, das ebenso herauszufinden.“
„Äh … klar.“
Aus Dritte Wege von Megan McCafferty
Ist es das? Ist es die Besessenheit oder der Versuch seine Gedanken zu ordnen?
Bei mir trifft wohl seit einiger Zeit eher das letztere zu. Ich schreibe seltener für andere, meine Abenteuer in fantastischen Welten habe ich beiseitegelegt.
Was ich jetzt schreibe ist ein Haufen von sinnlosen Kritzeleien, in mehr als zehn verschiedenen, unvollendeten Notizbüchern. Keine Tagebucheinträge, dafür sind sie viel zu zusammenhangslos und unregelmäßig. Ich habe begonnen, Gedichte zu sammeln, Buchzitate herauszuschreiben und mich wohl intensiver mit dem Schreiben zu beschäftigen, als ich es je in meinen Geschichten auf stürmischen Inseln, trockenen Wüsten und kaltgrauen Landschaften getan habe.
„Das Ziel des Schreibens ist es, andere sehen zu machen.“
Joseph Conrad (1857-1924)
Ist das der Grund, warum ich schreibe? Die Liebe zu den Wörtern, der Wunsch nach Erinnerung, der Versuch anderen erklären zu können, was man denkt?
„Wer für sich selbst schreibt, schreibt für ein ewiges Publikum.”
Ralph Waldo Emerson (1803-82)
Vielleicht ist es tatsächlich der Wunsch nach Erinnerung im Angesicht der Unendlichkeit.
Vielleicht ist es aber auch viel, viel weniger philosophisch.
„Beim Schreiben ist es wie bei der Prostitution. Zuerst macht man es aus Liebe, dann für ein paar Freunde und schließlich für Geld.“
Molière (1622-73)
Wird heute nur noch aus Geldgier, aus Ruhmsucht geschrieben? Schreibe ich wegen der Möglichkeit über Nacht zum Wunder zu werden? Millionen verkaufter Bücher, Filme, den Namen in aller Munde?
Was ist der Antrieb, die Kraft, weiterzuschreiben, ein Werk zu vollenden, die richtigen Wörter zu finden?
„Was will denn der vernünftige Schriftsteller, und was kann er wollen? Nichts anderes, denn eingreifen in das allgemeine und öffentliche Leben und dasselbe nach seinem Bilde gestalten.“
Hubert Fichte (1935-86)
Ist es also der Wunsch, Einfluss nehmen zu können? Der Wunsch, seine eigene Meinung zu verbreiten, Anteil zu nehmen, Wichtigkeit zu erlangen.
Es kann alles sein.
Aber Schreiben, gutes Schreiben ist wohl vor allem ein Wunsch, eine Sehnsucht, ein Versuch.
Nach Anerkennung.
Nach Ruhm.
Nach Einfluss.
Nach Ewigkeit.
Nach einer anderen Welt.
Nach Erklärung.
Nach Sinn.
Oder auch nicht?
„Öffne dein Herz dem Schreiben. So kannst du dich vor jeder Art von Arbeit schützen.“
Ägyptischer Schriftgelehrter, um 2400 v.Chr.
Freya Schwachenwald, 22.Oktober 2010
Warum wir Bücher lieben
Warum lesen wir eigentlich?
Was ist das, was uns wie magisch an Büchern anzieht?
Vielleicht ist es der Geruch, der zwischen den Seiten gefangen ist, wie in einem Spinnennetz?
Kann es auch der Umschlag sein, der so viele unterschiedliche Variationen aufweist wie die Farben zwischen dem Regenbogen?
Ist es das Flüstern, Schaben und Knallen der Seiten, wenn man sie umblättert?
Und was ist mit dem Gefühl, ein Buch in der Hand zu halten? Wie ein zartes Vogelbaby – oder einen kleinen Elephant, je nachdem.
Sind es die Wörter, die über das Papier tanzen, mal schwerelos, mal stampfend und immer wieder anders?
Ist es das Gefühl von Geborgenheit und Vetrautheit, wenn man ungeben von Büchern ist, die in warmen, weichen Kerzenlicht schwimmen?
Oder sind es doch nur die Geschichten, die sich in unseren Gedanken festnisten, und ihre Handlungen, die in unseren Träumen weiter umher schleichen?
Lesen ist wie ein Sprung in den Abgrund, das Drücken des roten Knopfes in der Zeitmaschine oder im Raumschiff, wie Fliegen ohne Flügel, wie Tanzen über Wasser, wie ein Lachanfall ohne Grund oder wie zehn Kilo Schokolade, die nicht dick macht. Lesen ist so, als ob man Träume in Konservendosen fangen könnte, als würde unser Kopfkino Wirklichkeit werden oder als könnte jemand unsere tiefsten Wünsche sehen. Lesen nährt den kleinen, glimmenden Stern ins uns, der glaubt, dass alles möglich ist.
Hörst du die Seelen der Bücher, die uns mit verheißungsvollen Stimmen Versprechungen zuwispern?
Versprechungen von Abenteuern, unglaublichen Welten, Zauberwesen, anderen Lebenserfahrungen, geschichtlichen Ereignissen und noch viel, viel mehr? Von Liebe, Mut, Hass, Verrat und allen anderen niederen und höchsten Gefühlen, welche jemand in der Lage ist zu empfinden? Und vor allem das Versprechen, die Welt zu vergessen, in der wir leben – uns zu vergessen?

Sie sind alle verschieden. Jedes einzelne ist für sich ein Individuum: Sie können alt und runzelig sein, jung und weiß, glänzend und matt, glatt und rauh, schlank oder mit einem Bierbauch, schön und hässlich, düstern und fröhlich strahlend, hinterhältig und verletztend, dreckige Lausebuben oder Sonntagsstreber, wohlwollend oder hinterhältig,… Sie können Schmuck aus Krümeln tragen, einen weichen Staubmantel, Muster aus Schokolade- und Fettflecken, spannende Narben aus wilden oder ordentlichen geschriebenen Bemerkungen und Markierungen oder sogar das zarte Parfum pergamentdünner Blütenblätter.
Manche werden uns weiser werden lassen, andere werden von perlendem Lachen überschwemmt oder von salzigen Tränen beregnet werden, einige werden wir am liebsten gegen die Wand schmeißen und zerfetzten wollen, vielleicht werde wir sogar ein paar zuklappen und nie wieder anfassen, obwohl wir das Ende noch nicht kennen, und die ganz besonderen werden wir immer und immer wieder lesen und uns Zitate heraus schreiben.
Reihe um Reihe stapeln sich die verschiedenen Universen in bunte Farben nebeneinander im Bücherregal. Über und untereinander, gequetsch, quer hineingeschoben, liegend oder gerade stehend. Langsam streichen unsere Blicke über die vertrauten Buchrücken und wir befinden uns in unserem Zimmer aber gleichzeitig auch an so vielen anderen Orten. Und egal, was es nun ist, warum wir sie lieben, eins ist Gewiss: Ohne sie wäre unser Leben unvorstellbar.
Bona-Katharina Dommert, 14.09.2010
Anspruchsvoll oder trivial?
Kennt ihr das? Man unterhält sich mit jemandem, erzählt, dass man gern Fantasy oder auch irgendwelche kitschigen Frauenromane liest – und wird schief angeschaut.
Bei den schief schauenden Leuten handelt es sich dann um diejenigen, die sich für besonders gebildet halten, weil sie Schiller und Kafka in ihrer Freizeit lesen und alles andere für „minderwertige Trivialliteratur“ halten.
Nur damit ich nicht missverstanden werde: Ich habe absolut kein Problem mit Schiller und Kafka. Vom ersten hab ich noch nie was gelesen, also kann ich das nicht beurteilen, und Kafkas „Verwandlung“ fand ich sehr interessant. Also ist es nicht so, dass ich Leute, die Klassiker lesen, allgemein für Angeber und Idioten halte. Aber es gibt so einige Kandidaten, die das nur lesen, weil sie damit ihre Überlegenheit anderen Leuten gegenüber ausrücken können/wollen.
Ich frage mich, was an Fantasy schlimm sein soll. Dass sie nicht für die Bildung geschrieben ist? Das waren Schillers und Goethes Werke auch nicht, sie wurden nur im Laufe der Zeit dazu gemacht. Und dass man „Iphigenie auf Tauris“ gelesen hat, macht einen nicht automatisch zu einem intelligenteren Menschen – ich spreche da aus eigener Erfahrung ![]()
Eine Unterscheidung in anspruchsvolle Literatur und Trivialliteratur macht in meinen Augen keinen Sinn. Natürlich wäre die Sache anders, wenn ich so denken würde: Wenn ich etwas lernen will, lese ich das eine, wenn ich unterhalten werden möchte, das andere. Aber ob das so ganz stimmt? Ich bin mir da nicht so sicher. Goethe könnte mich genauso unterhalten wie Hohlbein, während Hohlbein mich vielleicht genauso zum Nachdenken anregen könnte wie Goethe.
Die Grenzen verwischen hier. Was soll also diese Unterteilung?
Ich muss hinzufügen, dass ich es sinnvoll finde, sich in der Schule (fast) ausschließlich mit der „gehobenen Literatur“ zu beschäftigen. Denn es ist doch so, dass die meisten Jugendlichen in der Freizeit nicht zu solchen Werken greifen – oder nur selten – und sie gehören nun mal zur Allgemeinbildung. Allerdings will ich mich ganz klar dagegen aussprechen, dass die Unterhaltungsliteratur als „niveaulose Trivialliteratur“ bezeichnet wird. Das ist sowohl in der Schule, als auch im privaten Bereich übertrieben.
Ich will das mit einem Beispiel aus meinem eigenen Leben stützen. Garth Nix hat mich sehr viel mehr zum nachdenken angeregt als Theodor Fontane. Natürlich kann man die beiden auf inhaltlicher oder sprachlicher Basis kein Stück vergleichen, mir geht es hier nur darum, wie sehr sie mich berührt haben. Nehmen wir einmal „Sabriel“ und „Frau Jenny Treibel“. Bei dem einen handelt es sich um eine Fantasy-Geschichte, in der der Tod eine wichtige Rolle spielt, das andere ist ein ironischer Gesellschaftsroman. Und während mich bei „Sabriel“ wirklich darüber nachgedacht hab, wie der Tod wirklich sein könnte und wie es ist, sich plötzlich mit neuen Aufgaben zurechtzufinden, von deren Ausgängen das Schicksal vieler Menschen abhängt, fand ich „Frau Jenny Treibel“ einfach nur langweilig und absolut nicht lehrreich.
Ein anderes Beispiel ist „Nora“ von Henrik Ibsen verglichen mit „Bis(s) zum Morgengrauen“ von Stephenie Meyer. Letzteres fand ich total unrealistisch und nervig, während das erste in seiner eigenen Art spannend war, insbesondere wegen der gut ausgearbeiteten Nebencharaktere.
Natürlich können andere Leute hier auch anderer Meinung sein ![]()
(Oben links seht ihr Kafka, unten rechts Goethe)
Saskia Klaus, 08.06.2010
“Wo sich Herz zum Herzen find’t”
„Friends don’t cease to be your friends just because you’re cold toward them“ (dt.: “Freunde hören nicht auf, deine Freunde zu sein, nur weil du kalt zu ihnen bist). Das ist ein Satz, auf den ich vor kurzem gestoßen bin, als ich die Verfilmung eines Buches gesehen habe. Ob der Satz tatsächlich auch so im Buch steht, kann ich nicht sagen, aber er hat auf jeden Fall einen schönen Inhalt. Von der Sorte, wie man ihn häufig in Büchern findet.
Kennt ihr das? Man liest ein Buch und da ist plötzlich ein Satz oder ein Abschnitt, der einfach so wunderschön ist, dass man am liebsten weinen möchte.
Mir persönlich geht das häufig so. Natürlich nicht bei jedem Buch und auch nicht immer. Vor allem wenn ich darauf achte, einen solchen Satz zu finden, scheint es absolut keinen zu geben. Aber ganz unbewusst erkennen wir solche Sätze doch immer.
Ganz unbewusst … so war das auch bei der Passage oben.
„Friends don’t cease to be your friends just because you’re cold toward them“
Eigentlich hatte ich mich nach einigen anstrengenden Schultagen nur ein
bisschen entspannen und einen Film schauen wollen, aber dann ist mir diese Stelle aufgefallen. Da musste ich erstmal auf den Pause-Button klicken, kurz darüber nachdenken und mir dieselbe Stelle noch einmal anschauen. Und dann habe ich mir den Satz aufgeschrieben, damit ich auch anderen davon erzählen kann ![]()
Und weil das hier eine Seite über Bücher und nicht über Filme ist, muss ich das ganze zu Ende meines Textes noch einmal mit Literatur in Verbindung bringen.
Man liest also ein Buch. Man macht sich dabei keine großen Gedanken – und plötzlich ein wunderschöner Satz. „Um jemanden hassen zu können, müsste man ihn zuvor geliebt haben.“ (aus „Der Spiegel von Feuer und Eis“ von Alex Morrin)
Auch wenn die Literatur nach Meinung einiger Leute immer niveauloser wird, so kann man solche Sätze doch in jedem Buch finden, man muss sie nur zulassen können – das ist zumindest meine Meinung.
(Die Überschrift dieses Textes ist übrigens ein Zitat von Theodor Fontane)
Saskia Klaus, 10. Mai 2010
Warten, warten, warten.
Das kennt doch jeder: Man wartet auf ein neues Buch seines Lieblingsautoren oder auf den nächsten Teil einer Fortsetzungsgeschichte oder oder oder. Egal, worauf man wartet – vielleicht sogar auf alles gleichzeitig -, es scheint einem immer unerträglich. So können zwei Monate wie ein ganzes Jahr wirken; die Ungeduld verlangsamt den Fluss der Zeit.
Womöglich ging es den restlichen Redakteuren der Blauen Seite genauso, als sie darauf warten mussten, dass ich endlich diese Kolumne schreibe. 
Und das ist auch verständlich, immerhin habe ich zwei Monate dafür gebraucht. Warum? Weil ich keine Antwort zu dieser Frage gefunden habe: Was schreibt man in einer Kolumne über Literatur und Bücher?
Jetzt ist das Thema ,,warten”. Auch ich warte. Zum Beispiel auf den neuen Band der Rachel-Morgan-Reihe von Kim Harrison, der im März erscheint. Immerhin will ich wissen, wie es weitergeht. Das ist wie eine nahezu endlose Qual. Aber manchmal denke ich, dass diese Qual gerade das ist, was den Reiz einiger Bücher ausmacht. Da ist die Spannung, der Wunsch, endlich in der Geschichte fortzuschreiten … Wenn ich dann endlich das Buch in den Händen halte, ist das für mich ein schönes Glücksgefühl. Selbst wenn das, was da drin steht, enttäuschend ist, kann man den Thrill des Wartens nicht vergessen.
Das ist wohl auch der Grund, warum ich einem folgenden Band dieselbe Aufmerksamkeit schenke. Eigentlich will ich das gar nicht, denn wer will schon auf ein enttäuschendes Buch warten? Also nehme ich mir vor, es nicht zu tun. Aber kann ich das? Wohl kaum.
Und so beginnt das Warten von Neuem. Ich weiß, dass ein ganzes Jahr vor mir liegt. 365 Tage. Das klingt wie eine unendliche Zeitspanne. So betrachtet, sieht man die Qual des Wartens ganz deutlich vor seinem inneren Auge, viel deutlicher noch als den Thrill. Denn den bemerkt man erst ganz zuletzt. Und wenn ich ihn nicht bemerke, so kann ich mich wenigstens an ihn erinnern, ihn erwarten. Ich weiß, das er kommen wird, weil ich mir mit dem Erscheinungstermin ein Ziel gesetzt habe, das sich verwirklicht.
Das ist doch ein tolles Gefühl, diese Gewissenheit. Vielleicht geht es euch ja genauso.
Zwei büchervolle Wochen wünsche ich euch.
Saskia Klaus, April 2010
